Fundstücke

 

Alles beginnt mit einer Beobachtung, dem noch zufälligen Blick. Erstes und wichtigstes Element in David Pinters Arbeit ist die unmittelbare Anschauung seiner Umwelt. Es gibt mannigfaltige Sachen, Gegenstände, Formationen, die durch den Nebel des Alltags verdeckt und dadurch leicht übersehen werden. Erst wenn man sie aus ihrem Kontext löst, d.h. erst wenn man sie ent-deckt, sie bearbeitet, sie rahmt und als eigenständige Objekte/Kunstwerke wahrnehmbar macht, werden sie konkret erfahrbar. Pinter sammelt zufällig gefundene Objekte und Bilder, die seinem eigenwilligen Blick auf das scheinbar Gewöhnliche geschuldet sind. Stößt er bei seinen Streifzügen auf Dinge, die er nicht aus dem Stadt-Raum lösen kann, nicht mitnehmen kann, so versucht er sie durch Fotografie und/oder Zeichnung zu dokumentieren. Meistens werden sie nicht sofort verwendet. Vorerst sind sie nur Auslöser eines Gedankens oder einer Idee. Die zufällig gefundene Form, die plötzlich mit einer schon lange gehegten Idee kompatibel ist, sie ausdrückt. Alles entwickelt und ergibt sich erst im Lauf der Zeit. Das Fundstück ist vorerst lediglich ein Impetus.


David Pinter versteht sich keineswegs als «Gesamtkünstler», was ihn aber nicht davon abhält sich verschiedenster künstlerischer Techniken zu bedienen. Zentrale Brennpunkte in seinem Schaffen sind die Bildhauerei und die Zeichnung. Die Bildhauerei aufgrund des Materials und der Konstruktion, die Zeichnung hingegen wegen der Linie sowie der Form.
Neben dieser rein künstlerischen Tätigkeit gilt sein Interesse auch anderen Bereichen wie der Architektur und der Sprache. In einer Art Rückkoppelung werden diese Bereiche wiederum für sein künstlerisches Schaffen fruchtbar gemacht; schaffen mögliche neue Perspektiven und Betrachtungsweisen.
Beiden begegnet er mit der erfrischenden Neugier des Laien.


Seine Arbeit pendelt zwischen zwei gegensätzlichen Polen: Sensibilität und Brutalität. In der Tat scheinen ihn einerseits fragile Formen und Strukturen, wie das Profil einer Pflanze oder die körnige Oberfläche eines alten Sandsteins zu faszinieren; andererseits aber auch die gewaltige physisch-visuelle Dimension eines gesprengten Bunkers oder die minimalistisch-sterile Brutalität einer neugestrichen Hausfassade.
David Pinters Welt erweckt den Eindruck, als ob sie von solchen Gegensätzen animiert/motiviert wird und dass der « Lebensfunke » eines Kunstwerks solch einen Gegensatz in sich als ständiger Widerstreit symbolisiert.

Alexander Habicher 2012